Dieser Artikel ist schon etwas älter und ich bin bisher nicht dazu gekommen, ihn zu veröffentlichen. Auch wenn er nicht mehr ganz aktuell ist, möchte ich ihn jetzt endlich teilen 🙂
Transsexualität begleitet einen durch den ganzen Alltag. Zuhause, unter FreundInnen, beim Hobby und an öffentlichen Orten. Besonders spannend, aber auch besonders herausfordernd, ist die Frage, wie man im beruflichen Umfeld damit umgeht, bzw. wie KollegInnen und Vorgesetzte darauf reagieren. Ich war in den letzten 2 Jahren in verschiedenen Kursen und habe mehrere Praktika absolviert. Dabei haben sich viele Erlebnisse und Erfahrungen angesammelt, über die ich gerne erzählen will.
Anmerkung: Wie bei all meinen persönlicheren Beiträgen geht es im Folgenden um die Situation vor der Namens- und Personenstandsänderung.
Berufsorientierung
In meinem berufsvorbereitenden Jahr habe ich mich gleich am ersten Tag bei der Vorstellungsrunde geoutet. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass es sinnvoll ist, das gleich am Anfang zu tun. So gewöhnen sich die anderen erst gar nicht an den offiziellen Namen und müssen später nicht ‚umlernen‘. Außerdem weiß man selbst sehr schnell, woran man ist, wenn man mit offenen Karten spielt. Die Reaktionen waren ausgesprochen gut. Die meisten konnten es sehr gut annehmen und haben mich gleich mit meinem richtigen Namen angesprochen. Auch die Trainerinnen sind super damit umgegangen. Ich wurde äußerst selten aus Versehen misgendert, obwohl meine offiziellen Unterlagen klarerweise auf Deadname lauten mussten. Natürlich wurden mir im Laufe der Zeit einige Fragen gestellt. Manche davon haben meine Grenzen überschritten, die meisten waren aber in Ordnung. Ich bin was das angeht recht offen und nachsichtig. Denn je nach Umfeld trifft man nicht ganz so oft eine Trans*Person, die sich direkt outen und darüber plaudern würde. Menschen sind nunmal neugierig und Kommunikation ist wichtig, auch wenn es nicht immer so läuft wie wir es gern hätten. Das schönste, das ich gehört habe, war in etwa „Akzeptieren heißt für mich, es als etwas normales anzunehmen und kein riesiges Thema draus zu machen. Nicht ununterbrochen darüber zu sprechen, wie sehr man kein Problem damit hat.“ ❤ Der blödeste Spruch war ungefähr „Du bist doch in Wahrheit eine Frau, weil du einen Freund hast.“ Dieser Mensch war im allgemeinen homophob (nicht geraten, erfragt…) und ein schwuler Transmann war seinem Kopf einfach zu viel. Passiert. Wenn das mein größtes Problem ist, kann ich mich wirklich glücklich schätzen.
to be continued…
